{"id":25,"date":"2008-07-29T02:07:29","date_gmt":"2008-07-29T00:07:29","guid":{"rendered":"http:\/\/rainerlanghans.de\/?p=25"},"modified":"2019-02-01T09:25:23","modified_gmt":"2019-02-01T07:25:23","slug":"interview-mit-der-abendzeitung-vom-17022008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rainerlanghans.de\/?p=25","title":{"rendered":"Interview mit der Abendzeitung vom 17.02.2008"},"content":{"rendered":"<p>\u00bbGabi geh\u00f6rt zum Harem\u00ab<\/p>\n<p>Rainer Langhans, der Mitbegr\u00fcnder der Kommune 1, hat eine nahezu allgemeinverst\u00e4ndliche Autobiografie verfasst. Der Alt-68er im AZ-Gespr\u00e4ch \u00fcber CSU-Rebellin Pauli, Beziehungsarbeit und innere Musik &#8211; und wer die Rolle des Langhans spielen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>In Wei\u00df und mit Wallewallem\u00e4hne n\u00e4hert er sich auf seinem schwarzen Damenfahrrad. Bestellt im Schwabinger Bistro \u201eWilder Reis\u201c einen gr\u00fcnen Tee und eine rote Suppe. Sagt S\u00e4tze, die wie seine Haare sind: lang, volumin\u00f6s und etwas kraus.Ja, es w\u00e4re so leicht, aus Rainer Langhans die Karikatur eines Apo-Opas zu zeichnen. Und so falsch. Denn im Gegensatz zu etlichen Mitstreitern lebt der knapp 68-J\u00e4hrige nicht im Gestern, sondern im Heute. Und im \u00dcber\u00fcbermorgenland, was es Langhans-Laien \u2013 und das sind eigentlich alle au\u00dfer ihm selbst \u2013 nicht immer leicht macht, seinen Sprachkaskaden zu folgen. Jetzt hat der Mitbegr\u00fcnder der Kommune 1 eine sehr kluge, nahezu allgemeinverst\u00e4ndliche Autobiografie verfasst. Die AZ traf ihn zum Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.abendzeitung.de\/magazin\/1963 \">Abendzeitung &#8211; \u00bbGabi geh\u00f6rt zum Harem\u00ab<\/a><\/p>\n<p>Vor 1968 musste man fr\u00fch erwachsen sein, schon als Kind. Heute ist es umgekehrt: Als \u00e4lterer Erwachsener gilt man als scheintot und nur als Jugendlicher lebendig und lebensberechtigt. Jetzt kommt meine Generation rasant in dieses Alter \u2013 und wird es neu erfinden.<\/p>\n<p><strong>Sind Sie ein so genannter Best Ager?<\/strong><br \/>\nBest, Silver, Gold \u2013 solche Begriffe, m\u00f6glichst in Englisch, vernebeln nur, auf was es ankommt. Dass sich der K\u00f6rper im Alter allm\u00e4hlich zur\u00fcckzieht, ist in Wirklichkeit die gro\u00dfe Chance, das Geistige, das Beste zu erfahren.<br \/>\n<strong>Wessen Autobiografie haben Sie zuletzt gelesen?<\/strong><br \/>\nUschis. Und etwas aus Eric Claptons. Wie schonungslos er mit seiner Sucht umgeht, fand ich interessant.<br \/>\n<strong>M\u00f6gen Sie seine Musik?<\/strong><br \/>\n\u00c4u\u00dfere Musik finde ich nicht mehr so wichtig. Ich lausche meinem inneren Sound.<br \/>\n<strong>Den Magen- und Darmger\u00e4uschen?<\/strong><br \/>\nDem wei\u00dfen Rauschen. Einer polyphonen, nicht-melodi\u00f6sen Nicht-Musik.<br \/>\n<strong>Wissen Sie, was derzeit in den Charts l\u00e4uft?<\/strong><br \/>\nIch h\u00f6re gelegentlich in die Jugendmusik rein. Mich interessiert, wie sie leben.<br \/>\n<strong>Gef\u00e4llt Ihnen eine Band?<\/strong><br \/>\nJa, Tokio Hotel, Bill Kaulitz und so. Guter Rock.<strong><br \/>\nWas haben Sie mit Dieter Bohlen gemeinsam?<br \/>\n<\/strong>Ich glaube, wir \u00e4u\u00dfern beide relativ angstlos unsere Gef\u00fchle.<strong><br \/>\nBohlen und die Frauen, Langhans und die Frauen. Gibt es auch da Parallelen?<\/strong><br \/>\nDie Ungebundenheit. Bisher f\u00fcgte er sich nicht den klassischen Paarungsformen.<strong><br \/>\nDer Unterschied: Er hat seine Frauen nacheinander, Sie haben alle gleichzeitig.<\/strong><br \/>\nEine Frau nach der anderen abzuservieren \u2013 das ist nicht meine Sache. Da finde ich die Harems-Praxis doch weit besser. Alle bleiben wichtig.<br \/>\n<strong>Ist Ihr Harem die H\u00f6lle oder das Paradies?<\/strong><br \/>\nBeides. Bei uns wird kein Blatt vor den Mund genommen, und deswegen geht\u2019s scheinbar hart zu. So viel Beziehungsarbeit trauen sich M\u00e4nner bisher kaum. Mit \u00e4lteren Frauen \u2013 das ist f\u00fcr sie der Horror.<br \/>\n<strong>F\u00fcr Sie nicht?<\/strong><br \/>\nWer intensive Beziehungsarbeit mit ihnen zu leisten bereit ist, erf\u00e4hrt viel \u00fcber sich. Jung werden, nicht jung bleiben wollen \u2013 das k\u00f6nnte das neue Altern sein.<br \/>\n<strong>Gibt\u2019s unter den Frauen Eifers\u00fcchteleien?<\/strong><br \/>\nKlar. Die Umorientierung auf das moderne, das virtuellere Leben und das Alter fordert das Loslassen vom K\u00f6rper. \u00c4ltere Frauen sind w\u00fctend, dass sie sich so schwer damit tun \u2013 erst mal auf M\u00e4nner. Diese K\u00e4mpfe darum gibt\u2019s bei uns reichlich.<br \/>\n<strong>W\u00e4re noch Platz f\u00fcr eine weitere Frau?<\/strong><br \/>\nHaben Sie einen Vorschlag?<br \/>\n<strong>Gabriele Pauli?<\/strong><br \/>\nAch, sie geh\u00f6rt doch eh schon dazu!<br \/>\n<strong>Wie bitte?<\/strong><br \/>\nVirtuell nat\u00fcrlich. Wie unser Harem ist.<br \/>\n<strong>Wo ist die Verbindung?<\/strong><br \/>\nDas Weibliche, das sie verk\u00f6rpert, finde ich sehr modern und eigentlich sogar 68er-gepr\u00e4gt \u2013 gegen die alten M\u00e4nner der CSU mit ihrer Doppelmoral und f\u00fcr eine lustvollere Politik.<br \/>\n<strong>Frau Pauli hat angeregt, dass jede Ehe nach sieben Jahren ausl\u00e4uft und erneuert werden muss. Wie finden Sie diesen Vorschlag?<\/strong><br \/>\nRealistisch! Wir leben doch l\u00e4ngst kommunenartig. Aber offiziell muss die Ideologie der unverbr\u00fcchlichen Ehe weiter hochgehalten werden \u2013 auch wenn sie l\u00e4ngst nicht mehr der Lebenswirklichkeit entspricht. Die Kleinfamilie ist tot.<br \/>\n<strong>W\u00fcrden Sie Frau Pauli Asyl gew\u00e4hren?<\/strong><br \/>\nDas hat sie nicht n\u00f6tig. Aber bitte: Gabi, komm in unseren Harem! Wird meine Frauen interessieren.<br \/>\n<strong>Aus der CSU ist die Landr\u00e4tin ja inzwischen geflohen.<\/strong><br \/>\nSie wurde vertrieben. Das war eine Kampagne. Nehmen Sie nur einmal die Fotos mit den Latex-Handschuhen.<br \/>\n<strong>Die so genannten Domina-Bilder in \u201ePark Avenue\u201c.<\/strong><br \/>\nJa, die sind doch eher harmlos im Vergleich zu den opulenten Faschingsverkleidungen von Herrn Beckstein \u2013 als Madame Pompadour! Die lassen tief blicken bei ihm.<br \/>\n<strong>Er tut\u2019s ja nur im Fasching.<\/strong><br \/>\nWieso eigentlich nur da?<br \/>\n<strong>Zur\u00fcck zu Ihnen: Eine Rolle, in der Sie nur wenige kennen d\u00fcrften, ist der Erotikfilmer Langhans.<\/strong><br \/>\nDer ist mir auch neu.<br \/>\n<strong>Steht auf Seite 133 Ihrer Biografie.<\/strong><br \/>\nAh, den Pornofilm meinen Sie! Warum so vorsichtig? Ja, ich war Regieassistent, wollte lernen, wie man Filme macht. Es sollte ein dekonstruierter Porno werden, ein Kunstfilm.<br \/>\n<strong>An anderer Stelle steht, wie Sie Uschi Obermaier eine Watschn geben. Pazifismus und Frauen schlagen \u2013 wie passt das zusammen?<\/strong><br \/>\nNat\u00fcrlich gar nicht. Ich bin kein Heiliger. Ich war verzweifelt.<br \/>\n<strong>Gibt es heute noch Gewalt in Ihrem Harem?<\/strong><br \/>\nJa, verbale! Bei der Arbeit an meiner Autobiografie drohten die Frauen, nachts mit dem Messer zu kommen.<br \/>\n<strong>Wenn Sie \u00fcberleben: Wovon leben Sie?<\/strong><br \/>\nDavon, dass ich sehr, sehr wenig konsumiere. Ich lebe unter der Armutsgrenze, auf dem niedrigstm\u00f6glichen Niveau, weil ich Materielles f\u00fcr einschr\u00e4nkend halte.<br \/>\n<strong>Was fehlt Ihnen?<\/strong><br \/>\nMomentan nichts.<br \/>\n<strong>Ein saftiges T-Bone-Steak?<\/strong><br \/>\nMein letztes H\u00fchnchen war vor 35 Jahren.<br \/>\n<strong>Oder Reisen?<\/strong><br \/>\nWenn du au\u00dfen viel reist, reist du innen weniger.<br \/>\n<strong>W\u00fcrden Sie Ihre Biografie verfilmen lassen wie Uschi Obermaier?<\/strong><br \/>\nDas wird schwierig, wie man schon an ihrem Film sah.<br \/>\n<strong>Wer k\u00f6nnte den Langhans spielen?<\/strong><br \/>\nWenn \u00fcberhaupt, dann Gro\u00dfmeister Tom Cruise. Aber f\u00fcr das revolution\u00e4re und nicht f\u00fcr das heilige Deutschland.<br \/>\n<strong>Glauben Sie an Wiedergeburt?<\/strong><br \/>\nEs spricht vieles daf\u00fcr.<br \/>\n<strong>Wer waren Sie in einem fr\u00fcheren Leben?<\/strong><br \/>\nWei\u00df nicht. Alles. Ein Stein, ein Blatt&#8230;<br \/>\n<strong>Ein Pflasterstein, ein Hanfblatt?<\/strong><br \/>\nAuch das. Ich kann mich nicht mehr erinnern.<br \/>\n<strong>Hat einer wie Sie Angst vor dem Tod?<\/strong><br \/>\nSchon noch. Ich \u00fcbe es ja, damit ich\u2019s kann, bevor ich muss. Nicht, dass ich mich dann wie ein Idiot anstelle.<br \/>\n<strong>Wie \u00fcbt man so etwas?<\/strong><br \/>\nIch versuche, meinen K\u00f6rper schrittweise zu verlassen, bis ich eines Tages so weit bin, dass ich endg\u00fcltig gehen kann. Davor gibt\u2019s aber noch einiges zu tun: Lieben, Leiden, Lesungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbGabi geh\u00f6rt zum Harem\u00ab Rainer Langhans, der Mitbegr\u00fcnder der Kommune 1, hat eine nahezu allgemeinverst\u00e4ndliche Autobiografie verfasst. Der Alt-68er im AZ-Gespr\u00e4ch \u00fcber CSU-Rebellin Pauli, Beziehungsarbeit und innere Musik &#8211; und wer die Rolle des Langhans spielen k\u00f6nnte. In Wei\u00df und mit Wallewallem\u00e4hne n\u00e4hert er sich auf seinem schwarzen Damenfahrrad. 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